Besuch beim Spaziergang in Groß-Gerau

Schon eine halbe Stunde vor Start stehen ein paar Spaziergänger vor der Eisdiele. Ein verborgenes Schild und bedruckte T-Shirts machen sie erkennbar. Gegen viertel vor sieben gehen etwas über vierzig Personen auf den Spaziergang durch die Wohnviertel von Groß-Gerau. Sie kennen sich. Ein Besucher fällt auf und wird neugierig betrachtet. Nicht jeder bringt dem Besuch der Freien Linken West Aktion Vertrauen entgegen. Der Versuch die Parolen zu fotografieren, die ein Teilnehmer vor dem Krankenhaus laut ruft, scheitert: „Für die Freiheit“, „Für den Frieden“, „Für Völkerverständigung“, „Für Recht und Ordnung“ und einige mehr, ruft er. Die Spaziergänger antworten nach jedem Satz „Auf die Straße“. Nur wenige Menschen sind auf der Straße und sehen die Spaziergänger vorbeiziehen. Sie rufen ihre Parolen vor dem Krankenhaus von Groß-Gerau auf menschenleerer Straße und später wieder in der Stadt.

Am Anfang seien es mehr Teilnehmer gewesen. Irgendwann wäre die Polizei aufgetaucht und dann seien plötzlich drei Züge gelaufen. So erklärt ein Spaziergänger das Misstrauen, dass einer unbekannten Person von der Freien Linken entgegengebracht wird. Zusätzlich sind viele der spazierenden Bürger nicht so gut auf Linke zu sprechen.

Die Gespräche drehen sich um Krisenvorsorge. Was muss man bei der Planung für einen Blackout beachten? Im Keller würden sich schnell Abwässer ansammeln, erklärt ein Teilnehmer, der als Installateur vom Fach ist. Er wohne im Keller und würde ganz schnell abhauen. Wasserpumpen würden nicht mehr funktionieren. Man könne aus den Flüssen Brauchwasser für die Toilette schöpfen, rät er. Und, dass Wasser sehr schnell „schlecht“ wird. Andere erzählen von Gaskochern und Lebensmitteln, die sie beschaffen. Angst vor Plünderungen ist weit verbreitet. Der Vorschlag, seinen Mitmenschen zu vertrauen, wird zurückgewiesen. Man vertraue niemanden. Auch die steigenden Abschläge für Gas sind Thema. Von 80 auf 320 Euro sei einem Bekannten der monatliche Abschlag erhöht worden. Nicht immer würden die Abschlagserhöhungen mitgeteilt. Es lohne sich ein Blick aufs Konto.

Auf die Frage, wie man solch ein Szenario politisch verhindern könne, gibt es keine Antwort. Es herrscht Ratlosigkeit. Das Gefühl, politisch Einfluss nehmen zu können, scheint verloren. So dient auch dieser Spaziergang in erster Linie dazu, sich gegenseitig zu stärken und in Kontakt zu bleiben.

Spaziergang montags, 18:30 vom Markt in Groß-Gerau

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